In einem kleinen Dorf in Norwegen lebte ein hoch verehrter weiser alter Mann. Sein Haar war ergraut, aber seine Augen strahlten tiefsinnig. Die jungen Leute des Dorfes gingen immer zu ihm, wenn sie vor Problemen standen.
Eines Tages kamen mehrere junge Leute mit verwirrten Gesichtern vor das Häuschen des alten Mannes. Sie hatten in einem nahe gelegenen Wald des Dorfes ein seltsames Phänomen entdeckt. Auf einigen Baumstämmen befanden sich seltsame Markierungen, aber niemand wusste, worum es sich dabei handelte. Der weise alte Mann hörte ihre Beschreibung an und antwortete nicht direkt. Stattdessen lächelte er und sagte: „Ich werde euch ein Rätsel aufgeben. Löset dieses Rätsel, und ihr werdet die Antwort finden. Es gibt etwas, das keinen Fuß hat, aber trotzdem rennen kann, keine Flügel hat, aber trotzdem fliegen kann. Es kann durch die engsten Spalten hindurchgehen und auch den weitesten Raum füllen. Was ist es?“

Die jungen Leute begannen, sich ernsthaft über dieses Rätsel zu sinnen. Sie setzten sich auf das Gras vor dem Häuschen des weisen alten Mannes und runzelten die Stirn. Einige junge Leute stützten ihr Kinn und blickten in den Himmel, andere zeichneten etwas auf dem Boden. Einer der jungen Leute sagte: „Es muss der Wind sein. Der Wind hat keinen Fuß, kann aber überall herumlaufen, hat keine Flügel, kann aber in der Luft tanzen.“ Der weise alte Mann schüttelte den Kopf und sagte: „Der Wind kann zwar laufen und fliegen, aber er kann keinen weiten Raum füllen.“
Die jungen Leute verfielen wieder in Nachdenken. Nach einer Weile sagte ein anderer junger Mann: „Könnte dieses Ding dann Wasser sein? Wasser kann durch enge Spalten fließen und zusammenfließen auch einen weiten Ort füllen.“ Der weise alte Mann schüttelte auch weiterhin den Kopf und sagte: „Wasser kann zwar all das tun, aber seine Fließgeschwindigkeit ist nicht schnell, es ist nicht so, als könnte es rennen.“

Zu diesem Zeitpunkt erhellte der Blick des jüngsten Burschen plötzlich. Er rief laut: „Ich weiß es! Dieses Ding ist die Zeit! Die Zeit hat keinen Fuß, aber rastlos vorwärts. Sie hat keine Flügel, aber vergeht in einem flüchtigen Augenblick. Sie kann lautlos durch jede Spalte hindurchgehen und auch in langen Jahrhunderten die ganze Welt füllen.“ Der weise alte Mann hörte das und ein zufriedenes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Er sagte: „Genau, es ist die Zeit. Jetzt geht wieder in den Wald und schaut euch die Markierungen auf den Baumstämmen an und überlegt, was sie mit der Zeit zu tun haben könnten.“
Die jungen Leute liefen wieder in den Wald, um die Markierungen zu beobachten. Sie fanden heraus, dass diese Markierungen von früheren Dorfbewohnern gemacht wurden, um das Wachstum der Bäume in Jahren zu dokumentieren. Mit der Zeit, während die Bäume langsam wuchsen, wurden die Markierungen auch höher. So war es, als ob die Zeit Fußabdrücke auf den Bäumen hinterließ.
Seitdem gingen die jungen Leute des Dorfes noch lieber zu dem weisen alten Mann, um ihn um Rat zu fragen. Sie wussten, dass hinter jeder Frage die Freude am Nachdenken und die Methode zur Problemlösung verborgen war.




